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Der Maler Eduard Einschlag

Als im November 1988 anläßlich des 50. Jahrestages der faschistischen Pogromnacht im Kroch-Hochhaus – dem Ausstellungszentrum der Leipziger Universität – eine Exposition zum Leben und Schicksal der Juden in Leipzig das Interesse von 16000 Besuchern fand, gehörte die Aufmerksamkeit vieler auch den Arbeiten des Malers Eduard Einschlag.
An dieser Stelle soll nunmehr einiges zu diesem heute leider kaum noch bekannten Künstler nachgetragen werden.

David Eduard Einschlag wird am 28. Februar 1879 in der Nürnberger Straße 30 als zweiter Sohn des Kaufmanns Joseph Einschlag (1849-1934) und dessen Ehefrau Dorothea geborene Armhaus (1847-1923) geboren. Sein älterer Bruder Martin (1877-1960) wird später Rauchwarenhändler und schließlich Prokurist in dem Unternehmen von Julis Ariowitsch (1880-1969). Seine beiden jüngeren Schwestern bleiben unverhei-
ratet. Wanda (1883-1945) wird eine bei Leipziger Kindern beliebte Musiklehrerin. Die jüngste Schwester Hedwig (1890-1945) arbeitet später als Handlungsgehilfin.

Da der Vater Ehrenmitglied der Leipziger Sing-Akademie und Mitbegründer des Schubertbundes war, sind seine Kinder wohl in einer musischen aufgeschlossenen Atmosphäre aufgewachsen. Über Eduard Einschlags Kindheit und frühen Jugendjahre ist darüber hinaus wenig greifbares bekannt. Jedenfalls besuchte er hier die Bürgerschule und begann dann eine Ausbildung an der Leipziger Handelsschule zum Kaufmann. Nur kurze Zeit ist er dann in der Firma seines Vaters tätig.

Seine offensichtlich nicht zu unterdrückende Begabung führt ihn bald an die Leipziger Kunstakademie, wo er seine erste künstlerische Ausbildung bei Ludwig Nieper erhielt, der von 1872 bis 1901 Direktor der Akademie war. Im Jahr 1898 wechselt Eduard Einschlag nach München zu Peter Halm (1854-1923). Hier ist bereits 1892 die Münchner Sezession gegründet worden. Seit 1896 lebt und arbeitet der russische Maler Wassily Kandinsky in der bayrischen Metropole. Peter Halm wird in den nächsten drei Jahren nicht nur zum ausgezeichneten Lehrer, sondern zum Freund und Förderer Eduard Einschlags.

Die weitere künstlerische Entwicklung des Leipziger Malers wird dann ab 1901 ganz entscheidend durch den Berliner Rembrandt-Radierer Karl Köpping (1848-1915) bestimmt, dessen Meisterschüler er schließlich wird. Das künstlerische Leben der Weltstadt wird zu dieser Zeit durch zahlreiche herausragende Malerpersönlichkeiten unterschiedlichster Stilrichtungen geprägt, an deren Spitze unumstritten der große Max Liebermann steht.
Mit ihm, Max Slevogt und Lovis Corinth sind seit 1901 die drei Hauptmeister des deutschen Impressionismus in Berlin vereint.

In der Großen Berliner Kunstausstellung des Jahres 1908 wurde im Saal 9b unter der Nummer 682 sein „Stilleben“ (nach Willem Kalf) zum Verkauf angeboten. Seine Woh-
nung liegt im belebten Zentrum der Großstadt Charlottenburg, Hardenbergstraße 33.

Im Jahr 1910 ging Eduard Einschlag nach Paris, dem kulturellen Zentrum der Avantgarde seit der Jahrhundertwende, um sich selbstständig auf dem Gebiet der Malerei und der Radierung weiterzubilden.
Picasso und Braque begannen hier in diesem Jahr der bildenden Kunst eine völlig neue Richtung zu geben: Diaghilevs Companie des Ballets Russes erobert im Sturm die französische Hauptstadt.

In Paris entsteht u. a. die Kohlezeichnung „Bildnis des Bildhauers Schlosser“, die
später (1910 und 1914) offensichtlich in unterschiedlichen Fassungen auch auf Ausstellungen in Leipzig zu sehen ist. Diese Arbeit ist erhalten und heute im Besitz
des Museums der bildenden Künste.1910 kehrt der Maler in seine Geburtsstadt zurück und wandte sich hier etwa zwei Jahre später fast ausschließlich der Malerei zu.
Porträts bemerkenswerter Persönlichkeiten gehören bald zu den beliebtesten Motiven. Seine Wohnung befindet sich zunächst in der Weststraße 27.

Im gleichen Jahr beteiligt er sich bereits mit elf Radierungen und Zeichnungen an der Ersten Jahresausstellung „Sezession“ im Städtischen Kaufhaus, die der Verein Bildender Künstler Leipzigs veranstaltet. Eduard Einschlag wirkt als Mitglied der Leipziger Sezession in der Ausstellungsleitung, deren Vorsitzender Wilhelm Schulze-Rose ist, mit.

In dieser Funktion nennt ihn auch der Katalog der Jahresausstellung 1911, an der sich der Maler und Radierer jedoch nicht mit eigenen Arbeiten beteiligt. Sein Name wird erst nach der Drucklegung in den Katalog eingeklebt. Weitere Jurymitglieder sind u. a. Bruno Heroux (1868-1944), Alois Kolb, Lederer-Weida, Matthieu Molitor und Hugo Steiner-Prag (1880-1945).

Am 15. Januar 1912 wird der Verein „Leipziger Jahresausstellung“ – die LIA –
gegründet, deren Taufpate Max Klinger (1857-1920) ist. Da der jüdische Künstler zu
den Gründungsmitgliedern dieser Vereinigung gehört, engagiert er sich auch bei der Vorbereitung seiner ersten Exposition im Juni des gleichen Jahres im Städtischen Handelshof sowohl in der Jury als auch in der Katalogkommission.
Der Katalog der 2. Ausstellung der LIA 1913 nennt den Maler sogar in vier Funktionen: als Mitwirkender im Vorstand, als Mitglied der Jury sowie der Hänge- und der Katalogkommission. Eduard Einschlag selbst zeigt folgende drei Gemälde: Weiblicher Akt, Rückenakt und Lesende.


Selbstbildnis
Öl auf Leinwand
55x45,5 cm, MdbK

Die Rauchwarenhandlung
des Bruders Martin Einschlag

Bildnis des Bildhauers Schlosser
Kohle, 1909, MdbK

Weiblicher Akt
Zeichnung
Leipzig, 1930

Akt im Sessel
Radierung, 35,5x26,5 cm

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