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Fortsetzung: Der Maler Eduard Einschlag

Auf der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik – der Bugra – erregt der Künstler die Aufmerksamkeit der Besucher und der Kunstkritik. Im Saal XIX der Abteilung Zeitgenössische Graphik sind acht Radierungen und Handzeichnungen zu sehen, im Saal XXIV hängen seine Radierungen nach Edgar Degas (1834-1917), Klinger und Willem Kalf (1619-1693). Der Katalog der umfangreichen Exposition nennt Einschlag und Richard Bossert (1874-1919) als die Anordnungskommission für den Deutschen Künstlerbund.

In der Nummer 13 der Mitteilungen von der Ausstellung schreibt Dr. Robert Corwegh zur „Zeitgenössischen Graphik in Deutschland“: „Das größte Interesse nehmen die Säle der beiden Ehrenpräsidenten dieser Abteilung, Karl Köppings, des leider jüngst Verschie-
denen, und Max Klingers, in Anspruch. Köpping, der Altmeister graphischer Kunst, der Lehrer einer ganzen Künstlergeneration, ging vom Reproduktionstisch aus, um später in großen freien Schöpfungen seinem Können und eigener Gestaltungskraft Ausdruck zu verleihen.“
Und weiter: „Als Meister der Radiertechnik, was bei hoher Künstlerschaft als Lob gelten soll, fallen Paul Herrmann, Heinrich Wolff, Hans Meid und Einschlag auf, dabei sei in Ehrfurcht auch Peter Halms, des Lehrers eines Stauffer-Bern, gedacht.“ Diese Würdi-
gung Einschlags findet ihren konkreten Ausdruck und Höhepunkt in der Verleihung der Goldenen Staatsmedaille der Bugra 1914.

Ebenfalls aus dem Jahr 1914 datiert ein Dokument, das für die Suche nach Spuren aus dem Leben des Künstlers in Leipzig von Bedeutung ist: das Mitgliederverzeichnis des Leipziger Kunstvereins.
Dass der jüdische Maler Mitglied dieses sehr bedeutsamen und agilen Vereins ist, der unzählige namhafte Persönlichkeiten der Stadt und des Landes Sachsen angehören, bestärkt die Vermutung, daß sich Einschlag sehr eng mit seiner Heimatstadt verbunden fühlt.

Aus dem Mitgliederverzeichnis ergibt sich auch seine damalige Wohnanschrift: Thomasiusstraße 28. Hier lebt er gemeinsam mit seiner Frau Luise geborene Croner (1883-1945) bereits seit 1912. Das ist eine ganz besondere Adresse, die in der Liste noch weitere viermal genannt wird.

Hier wohnen: der Maler Rüdiger Berlit (1883-1939), der später ebenfalls wegen seiner jüdischen Abstammung verfolgte Buchgestalter Hugo Steiner-Prag und der Gewand-
hauskapellmeister Arthur Nikisch (1855-1922). Der Expressionist Berlit und der Impressionist Einschlag wohnen Tür an Tür in der IV. Etage dieses Hauses. Wie sich jedoch die Beziehung zwischen den beiden künstlerisch so verschiedenen Malern gestaltet, bleibt bis heute im Dunkeln.

Auch Frau Anna Meder, deren Beruf mit „Kaufmann“ angegeben ist und die ebenfalls in diesem Haus wohnt, ist so kunstinteressiert und -engagiert, daß sie zu den Mitgliedern des Leipziger Kunstvereins gehört.

Aber noch weitere Namen tauchen auf, die mit unserem derzeitigen Wissen über das Schaffen Eduard Einschlags in unmittelbarer Verbindung stehen.

Dr. jur. Hermann Halberstam (1865-1942), Kaufmann und vormals Hof- und Gerichts-
advocat in Wien, verdanken wir wohl eines der wesentlichsten Bilder des Malers. Der Kunstmäzen und erfolgreiche Kunstsammler schenkte dem Museum der bildenden Künste 1927 das „Selbstbildnis des Künstlers“, das zu den wenigen erhaltenen Gemälden gehört.

Der langjährige Direktor der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs Ernst Kroker ist ebenfalls Mitglied des Leipziger Kunstvereins.
Eduard Einschlag porträtiert den namhaften Luther-Forscher – eine Straße in Gohlis trägt seinen Namen – für die Stadtbibliothek, die damals einen umfangreichen Kunst-
besitz ihr eigen nennen kann. Heute endet die Suche nach diesem Bildnis mit einem Inventarverzeichnis.
Als die Stadtbibliothek am 4. Dezember 1943 ausbrennt, bedeutet das für die Buchstadt einen unersetzlichen Verlust. Von besonderem Interesse ist hier das Verzeichnis über die Schäden an unbeweglichen Sachen, Inventar und künstlerischer Ausstattung. Dort findet sich unter der laufenden Nummer 223 folgende Eintragung: „Boden – Abstellraum: 2 Bildnisse v. E. Kroker u. K. Rothe gemalt von E. Einschlag und W. Geiger ausgemust(ert) wegen express(ionistischem) Stils u. jüd(ischer) Maler. Materialwert: 110 RM.“

Die 3. Ausstellung der LIA findet erst 1916 – ohne Beteiligung Einschlags – statt. Aber bereits die 4. Jahresausstellung im Frühsommer 1917, die mit einer Exposition von Jugendwerken Max Klingers verbunden ist, zeigt zehn Arbeiten des jüdischen Künstlers, darunter allein fünf Gemälde. Unter anderem wird der „Akt im Grünen“ zum Preis von 2.000 Reichsmark angeboten.

1919 fungiert Einschlag als Schatzmeister der LIA. In der Ausstellung dieses Jahres ist er mit sechs Pastellen vertreten. Die 6. Ausstellung der LIA im Limburger Haus am Neumarkt im Herbst 1920, an der sich auch Ernst Barlach (1870-1938) beteiligt, zeigt Pastelle und Aquarelle des Künstlers. Die Leipziger Kunstkritik schreibt damals: „Malerisch die reifste Kultur bringen Eugen Hamm und Eduard Einschlag mit, für Leipzig die impressionistische Tradition am besten zusammenfassend. Einschlags Pastelle bleiben farbig und zeichnerisch auch dann außerordentlich, wenn sie innerlich nicht allzuviel geben; seine Aquarelle, die Tuschzeichnung „Spanierin“ sind reizvoll, vielleicht ein wenig zu sehr ins gegenständliche Spiel verflochten, und werden überall außer in der Nachbarschaft Klees zart wirken!“


Am Fenster, Kalender Kunst
und Leben, 1918

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