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Fortsetzung: Der Maler Eduard Einschlag

Und Ludwig Erich Redslob schreibt am 4. Oktober 1920 im Leipziger Tageblatt: „Vollsaftigsten Impressionismus bietet wieder: Eduard Einschlag in seinen prachtvoll sonoren Pastellakten, auf denen das Auge in heller Freude ausruht. Der geschmeidige Naturalismus seiner „Spanierin“ ist eine Feinschmeckerei für sich!“

1921 sind auch Arbeiten von Lyonel Feininger (1871-1956) und Kurt Schwitters
(1887-1948) auf der Leipziger Jahresausstellung zu sehen. Einschlag bietet ein Blu-
menstilleben für 5.000 Reichsmark zum Kauf an. Dagegen sind seine Zeichnungen
„Zeise-Gött“ und „Max Schwimmer“ unverkäuflich.

Ab dem folgenden Jahr ist keine Beteiligung des jüdischen Malers in der LIA nachzu-
weisen. Das 1925 erscheinende Mitgliederverzeichnis nennt ihn nicht mehr. Über die Gründe hierfür kann jedoch nur spekuliert werden, sie können sowohl rein künstleri-
scher, aber durchaus auch politischer Natur gewesen sein.

Als der Leipziger Künstlerbund 1925 eine Ausstellung seiner Mitglieder zeigt, schreibt „Der Cicerone" – die seit 1909 erscheinende Zeitschrift für Künstler, Kunstfreunde und Sammler – folgendes:
„In der Staatlichen Akademie hatte der Leipziger Künstlerbund eine nicht allzu umfang-
reiche, aber gut disponierte Schau von Arbeiten seiner Mitglieder zusammengestellt.
Da in dieser Vereinigung fast alle namhafteren Leipziger Künstler wie Walter Tiemann, Erich Gruner, H. A. Müller, Horst Schulze, Fritz Rentsch, Hugo Steiner-Prag, Alois Kolb, Walter Buhe, Eduard Einschlag, Heinz Dörffel, Albrecht Leistner, Felix Pfeiffer u. a. m. vertreten sind, bot die Ausstellung zwar keine besonderen Überraschungen, aber auch keine Experimente und problematischen Erscheinungen. Fremde Gäste waren nicht geladen worden. Ganz besondere Beachtung verdiente Eduard Einschlag, der bisher außerhalb Leipzigs mit Unrecht zu wenig bekannt wurde. Seine in den letzten Jahren sich steigernde Entwicklung von einer zeichnerischen Art zu einer rein maleri-
schen Behandlung ist nicht gewöhnlicher Natur. Sein „Selbstporträt“ sowie das „Stilleben mit Krügen“ sind reife Leistungen bester malerischer Kultur.“

Als Studenten des Leipziger Universitätsprofessors Hans Driesch (1867-1941) diesen zu seinem 60. Geburtstag am 28.10.1927 auf besondere Weise ehren wollen, kaufen sie das Porträt dieses Philosophen und Biologen von Eduard Einschlag. Hans Driesch hat sich bereits 1926 sehr mutig und entschlossen für den jüdischen Philosophen Theodor Lessing (1872-1933) eingesetzt, als dieser wegen seines Hindenburg-Aufsatzes auf breiter Front verfolgt und verfemt wird. Das Leipziger jüdische Familienblatt vergleicht den Fall mit der „Dreyfuß-Affäre“ und würdigt die Haltung Prof. Drieschs dazu.

Daß sich die Studenten unter mehreren Angeboten nur für Einschlags Fassung ent-
scheiden, ist für das Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Anlaß, mit berechtigtem Stolz und Selbstbewußtsein auf dieses außerordentlich begabte Gemeindemitglied aufmerksam zu machen.

Spätestens an dieser Stelle muß auf die aktive Rolle hingewiesen werden, die der Künstler innerhalb der jüdischen Gemeinde einnimmt.

Im Ring-Meßhaus wird vom 8.1. bis 5.2.1928 eine Exposition unter dem Titel „Das junge Deutschland“ gezeigt. Als es gelingt, zu erwirken, daß sich auf einer 4-m-Wand die jüdische Jugend präsentieren kann, übernimmt Eduard Einschlag gemeinsam mit Eugen Mittelmann – dem Sohn des Photographen Abram Mittelmann, dessen Fotoarchiv in der Ausstellung im vergangenen Jahr im Kroch-Hochhaus im Zentrum der Aufmerksamkeit stand – die Gestaltung dieses jüdischen Beitrages.

Erst in der Sommerausstellung des Leipziger Künstlerbundes E. V. im Kunstverein im Museum am Augustusplatz im Jahre 1930 werden wieder Arbeiten Eduard Einschlags öffentlich in Leipzig gezeigt. Neben Handzeichnungen, die sowohl Aktdarstellungen als auch Stilleben zum Gegenstand haben, ist das Bildnis des Geheimrates Prof. Dr. Volkelt zu sehen. An dieser Exposition beteiligt sich auch ein weiterer jüdischer Leipziger Maler: Abraham Jaskiel (1894-1987).

Wiederum hat sich Einschlag auch bei der Vorbereitung dieser Ausstellung engagiert. Der kleine Katalog nennt ihn als Mitglied der Hängekommission.

Daß sich Eduard Einschlag auch als Holzschneider betätigt, kann bisher nur noch durch eine winzige Reproduktion aus der Bildersammlung „Die zeitgenössische Schwarz-weiß Kunst“ (Sonderdrucke aus dem Kalender „Kunst und Leben“) bewiesen werden. Hier wird der Originalholzschnitt „Am Fenster“ zum Kauf angeboten.

Eines der wenigen erhalten gebliebenen Porträts befindet sich im Besitz der Leipziger Universität. Der Künstler hat 1928 den Auftrag erhalten, den hochgeachteten Medizin-
historiker Karl Sudhoff (1853-1938) anlässlich seines 75. Geburtstages zu malen. Das Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften ließ 1929 einen Lichtdruck dieses Gemäldes anfertigen und überreicht es Freunden und Förderern in nummerierter Auflage als Jahresgabe. Das Original wurde im vorigen Jahr in der Präsentation des Instituts im Kroch-Hochhaus gezeigt.

In der Festschrift der Gemeinde zum 75jährigen Bestehen der Gemeinde-Synagoge aus dem Jahre 1930 findet sich eine Reproduktion eines weiteren Gemäldes: das Porträt des Geheimrates Abraham Adler (1850-1922). Dieses verdienstvolle Gemeindemitglied ist auch der Initiator und langjährige Rektor der heutigen Handelshochschule gewesen.


Stilleben mit Krügen und Früchten
Öl auf Leinwand, 1924
54,5x65,5 cm, MdbK

Geh. Hofrat
Prof. Dr. Abraham Adler
nach einem Gemälde
von Eduard Einschlag

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