dr. jur. Hubert Lang

Martin Drucker – Das Ideal eines Rechtsanwalts

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Persönlich !
Lilli Conrad geb. Langerhans
Leipzig W 33
Lindenauer Markt 12 11 r

Leipzig, am 1.12.45

Herrn Justizrat Dr. Drucker
Leipzig S 3
Brandvorwerkstr. 80

Sehr geehrter Herr Justizrat !

Der Name Conrad sagt Ihnen natürlich nichts, aber vielleicht erinnern Sie sich noch an Paul Langerhans, meinen Bruder, der eine Zeitlang, wohl als Referendar, bei Ihnen gearbeitet hat.
Ausserdem bin ich von einigen alten Demokraten an Sie verwiesen worden, um für meinen Bruder und mich Ihren Rat zu erbitten wegen politischer Rehabilitation.
Wir sind beide im Mai 1933 in die Partei eingetreten, mein Bruder hatte eine Zeitlang auch ein untergeordnetes politisches Amt (Block- oder Zellenleiter). Was für ein grundanständiger Kerl mein Bruder ist, werden Sie noch aus der Erinnerung wissen. Wir sind beide der Partei beigetreten, weil wir glaubten, dass es für unser Volk und Vaterland so das Beste wäre.
Mein Bruder war zuerst Rechtsanwalt, dann während des Krieges Staatsanwalt, ich glaube, zeitweilig auch beim Sondergericht, wenigstens sprach er mir damals von Fällen, die ihn seelisch schwer bedrückten, zuletzt über ein Jahr Soldat. Seine Familie war in Leipzig, Mozartstr. 15 am 4.12.44 ausgebombt und nach wechselnden Schicksalen bei Verwandten in Rendsburg/Holstein (24), Neue Kieler Landstr. 81 b. Eggers untergekommen. Dorthin ist mein Bruder nach seiner Entlassung aus russischer Gefangenschaft gegangen und zur Zeit ohne Arbeit. Seine Frau soll in diesem Monat ihr drittes Kind gebären.
Was soll er tun? Er fragt bei mir an, ob er wieder nach Leipzig kommen kann oder soll. Das ist doch wohl nicht ratsam? Ich nehme an, er würde als politischer Aktivist zählen und nur Schwierigkeiten haben?
Ich selbst bin Fürsorgerin, Gesundheitspflegerin von Beruf, habe zuletzt hier vom 1.10.39 bis 30.6.42 beim Oberbürgermeister-Gesundheitsamt- Leipzig gearbeitet und bin dann wegen meiner Verheiratung mit dem Ingenieur und Bezirksleiter (einer Versicherung) Albert Conrad, der mir ein zweijähriges Kind zubrachte, aus dem Beruf ausgeschieden. Mein Mann war während des grössten Teils unserer Ehe Soldat und im Ausland. Seit Ende November 1944 ist er vom Heer entlassen und hat wieder in seiner Versicherung („Flamma“ Erfurt) gearbeitet, ist aber jetzt bei der Zusammenlegung der Versicherungen und auch als Pg. (1937 oder 1939) und alter Offizier entlassen. Was nun aus uns wird, wissen wir noch nicht. Mein Mann könnte bei seiner Firma im ausserrussischen Gebiet Arbeit finden; da er mir dann aber nichts mehr schicken kann und es zweifelhaft ist, ob ich mich in absehbarer Zeit mit ihm vereinigen kann, ist diese Lösung problematisch, und er sucht einstweilen nach Arbeit im russischen Gebiet.
Natürlich muss ich arbeiten, und zu diesem Zweck möchte ich meine Rehabilitierung betreiben. Da wir keine gemeinsame Wohnung haben, sondern ich mit dem Kinde in meiner früheren Junggesellenwohnung in Leipzig hause (zwei Räume mit stillgelegter Zentralheizung, zwei Gasflammen im Bad, sonst gänzlich kalt!) und mein Mann bisher in Erfurt gewohnt und gearbeitet hat mit gelegentlichen Besuchen bei uns (eine Wohnung dort ist uns bei den grossen Wohnungsschwierigkeiten beschlagnahmt worden, ehe ich hineinziehen konnte!) war unser Haushalt immer etwas kompliziert.
Ich habe in diesem Jahre natürlich immer mehr oder weniger gearbeitet, da mein Mann sehr wenig verdiente, habe Privatunterricht in Englisch gegeben (ich habe eine Dolmetscherprüfung abgelegt) und Uebersetzungen gemacht. Ich sollte aber auch eine Anstellung bei der Fremdsprachenschule der Stadt Leipzig haben, aber meine Parteimitgliedschaft zusammen mit der Tatsache, dass ich kein Lererrinnenexamen habe, verhinderten das. Seit 2.11.1945 bin ich als Arbeiterin bei der Firma Rudolf Gottfried Hahn, Leipzig W 33 Demmeringstr. 18 tätig. Es ist eigentlich ein Barsortiment, aber ich arbeite in der Nebenabteilung – Vertrieb von Bohnerpaste. Ich fülle Bohnerpaste aus Fässern in Dosen ab, klebe Etiketts und dergleichen. Stundenlohn RM 0,60.
Sie müssen nicht denken, dass ich mich beklage, aber vielleicht gäbe es später doch wieder die Möglichkeit, wieder als Fürsorgerin zu arbeiten oder meine Kurzgeschichten an Zeitungen loszuwerden (ich hatte mir einen kleinen Abnehmerkreis an Zeitungskorrespondenzen geschaffen, das ist natürlich alles vorbei). Bisher geht es überhaupt nur dadurch, dass der Kindergarten ganz in der Nähe ist, sodass mein Sohn über Tag untergebracht ist und eine leidlich warme Stube hat. Letzteres kann ich ihm zuhause nicht bieten, denn ich habe zwar einen Ofen, konnte bisher aber kein Ofenrohr auftreiben!
Vielleicht sollte ich hinzufügen, dass ich am 4.9.1905 in Leipzig geboren bin als Tochter des praktischen Arztes und alten Demokraten, Sanitätsrat Dr. Ernst Langerhans, und am 6.6.1942 in Leipzig geheiratet habe.
Die Schwierigkeit, meine Rehabilitierung zu betreiben, wird wohl weniger in dem liegen, was ich getan habe- denn ich habe nie ein politisches Amt bekleidet und als Gesundheitpflegerin Personen verschiedenster Berufsgruppen, Rassen und Konfessionen unparteiisch und wohlwohlend betreut (Infektionskranke, Geisteskranke, uneheliche Kinder usw.) als darin, dass ich 1935-39 in Altenburg tätig und 1932/33 zur Ausbildung als Säuglingspflegerin in Greifswald war und in Leipzig erst beruflich sehr in Anspruch genommen war und dann nach meiner Verheiratung ganz zurückgezogen nur für das Kind gelebt habe. So habe ich den Konnex mit den Freunden und Bekannten meiner Eltern verloren (soweit sie nicht gestorben oder nach Ausbombung verzogen sind) und selbst wenig neue Bekanntschaften gemacht, auf die ich mich berufen könnte.
Was soll ich tut, geehrter Herr Justizrat?
Es ist das Schlimme, dass mein Bezirk in der Innenstadt, den ich als Fürsorgerin betreut habe, fast völlig zerstört ist, und die dort wohnhaft gewesenen Leute über die übrige Stadt zerstreut sind, sodass ich mich auf diese nicht berufen kann und sie nicht als Zeugen benennen kann.
Muss ich ein Gesuch machen, einen Fragebogen ausfüllen? In der Woche bin ich bis 5 Uhr beschäftigt und muss dann für mein Kind sorgen, aber am Sonntag, den 9.12. bin ich voraussichtlich bei meiner Tante, Frau v. Hagenow, in der Fockestr. 35 zu Tisch. Kann oder soll ich Sie vorher- etwa zwischen 11 und 12 Uhr- aufsuchen, um die Sache mündlich zu besprechen?
Entschuldigen Sie, dass ich Sie mit einem so ausführlichen Schreiben belästige, ich verlasse mich dabei darauf, dass Sie, wie mein Bruder zu sagen pflegte, ein gütiger und stets hilfsbereiter Mensch sind.

Mit Dank im Voraus
Ihre
Lilli Conrad