dr. jur. Hubert Lang

Martin Drucker – Das Ideal eines Rechtsanwalts

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22. Juli 1946

Lieber Rudolf!

Zu den vielen Unbegreiflichkeiten, in denen wir uns bewegen, muss ich es auch zählen, dass ich Deine Postkarte vom 12. August vorigen Jahres nicht beantwortet habe. Sie hat mich nach einigen Irrfahrten erreicht und wurde von mir sofort in den Briefordner aufgenommen. Das letztere war vielleicht ein Fehler, denn nur dadurch, dass sie mir aus dem Gesicht kam, kann ich es erklären, dass ich während aller dieser Monate nicht dazu gelangte, Dir zu schreiben. Ich bin allerdings mit Arbeit bis an die äusserste Grenze der Leistungsfähigkeit überhäuft und habe soeben zwei Monate lang mich mit Lungen- und Rippenfellentzündung herumgeschlagen. Aber das alles erklärt, geschweige denn rechtfertigt, nicht mein Schweigen. Weil ich Deine verzeihende Güte kenne, so hoffe ich trotzdem, dass Du mich exkulpierst.
Die Haltung, die Du gegenüber allen schmerzlichen Erfahrungen bewahrst, ist bewundernswert. Ich hoffe, dass Du inzwischen von Deinen Söhnen gute Nachricht bekommen hast, und dass Dir auch die äusseren Verhältnisse die Möglichkeit geben, mit ungebrochener Zuversicht Deinem Berufe zu leben. Dass Du in Deiner Wohnung hast bleiben können, ist ein Glücksumstand, um den Dich viele beneiden werden.
Ich weiss nicht, was und wieviel Du von meinen Erlebnissen in den letzten Jahren erfahren hast, denn alle meine Briefmappen aus der Zeit vor 1945 sind verbrannt. Vielleicht wiederhole ich also im Nachfolgenden das und jenes, was Du schon weißt.
Der Krieg hat mir beide Söhne genommen. Der jüngere, Peter, fiel im Juli 1942 in Aegypten, der ältere, der 1941 geheiratet hatte, ist an einem nicht genau feststellbaren Tage, vermutlich Ende Januar 1945, auf der Landstrasse, die aus Polen über Schweidnitz nach Berlin führt, tot und ausgeplündert aufgefunden worden, vermutlich als ein Opfer der Russen, möglicherweise aber auch deutscher Plünderer. Seine junge Frau mit ihren kleinen Jungen, deren jüngster den Vater nie gesehen hat, kehrte darauf aus dem Erzgebirge, wohin sie sich schon seit längerer Zeit aus dem gefährdeten Leipzig geflüchtet hatte, zurück. Wenige Tage danach wurde das Haus in der Schwägrichenstrasse, das schon im Jahre vorher schwer beschädigt worden war, völlig zerstört, wobei fast die ganze Einrichtung verbrannte. Was zunächst gerettet wurde, fiel dann kurze Zeit danach in einem Lagerhaus weiteren amerikanischen Bomben zum Opfer. Das massive Haus in der Ritterstrasse, wo sich seit mehr als vierzig Jahren mein Büro befand, war schon im Dezember 1943 völlig ausgebrannt. Das Ergebnis ist, dass meine ganze bewegliche Habe vernichtet war und dass ich jetzt in einer an und für sich recht schönen Wohnung unter lauter geborgten Einrichtungsgegenständen hause. Was ich in den vorausgegangenen Jahren an Schikanen und Bedrohungen durch das herrschende Regime und seine Anhänger auszustehen gehabt habe, mag unerwähnt bleiben, mit Ausnahme meiner völlig rechtswidrigen Versetzung in den Ruhestand zum 1. April 1944 – eine Massnahme, die doch dem Begriffe des freien Berufs völlig widerspricht. Als wir obdachlos geworden waren und eine neue Wohnung suchten, verhinderte man unsere Bemühungen dadurch, dass man mir Ueberführung in ein Konzentrationslager androhte. Dem entzogen wir uns durch schleunigste Uebersiedlung nach Jena, wo wir den Blicken meiner Verfolger entrückt waren. Nach einiger Zeit rückten dort die Amerikaner ein und beendeten damit die fortwährenden Aufregungen durch die kaum noch unterbrochenen Alarme. Das war der erste Hoffnungsstrahl nach sehr schweren Jahren. Ich stehe noch heute auf dem Standpunkt, dass der Wegfall jener fortwährenden Bedrohungen durch die Bomben und dieser ununterbrochenen Alarmbesorgnis der grösste Gewinn ist, den wir seit Kriegsbeginn erlangt haben. Bekanntlich sind die Amerikaner dann schnell nach Leipzig vorgedrungen. Ich wurde von Jena zurückgerufen und nahm nicht nur meine Praxis als Anwalt und Notar mit meinem langjährigen Sozius Dr. Eckstein sofort wieder auf, sondern wurde auch auf Grund einer seitens der Amerikaner durchgeführten Wahl, an der alle nicht zur NSDAP übergegangenen Rechtsanwälte und Notare (beteiligt waren), gewählt. Fast gleichzeitig wurde ich zum Vizepräsidenten der sächsischen Rechtsanwalts-und Notarskammer in Dresden berufen. Diese ehrenamtliche Arbeit hat einen ganz ausserordentlichen Umfang angenommen, den ich neben den eigentlichen beruflichen Arbeiten kaum bewältigen kann. Aber dass alles ist ja seelisch zu ertragen und wirkt fast als Erlösung aus dem Tohuwabohu der früheren Jahre
Meine beiden Töchter sind bei mir, die ältere nach ihrer Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft als Aerztin am Kinderkrankenhaus, die jüngere als Universitätsassistentin mit einem Lehrauftrag für geschichtliche Hilfswissenschaften, kann aber zur Zeit nicht lesen, da die historischen Disziplinen noch nicht wieder erlaubt sind.
Ueber die allgemeinen, insbesondere die politischen Verhältnisse möchte ich mich nicht aussprechen, weil sie für mich völlig undurchsichtig sind. Wer sich nicht in die vorderste Reihe der Persönlichkeiten drängt, die die öffentlichen Verhältnisse zu regieren glauben, erfährt nicht einmal etwas Zuverlässiges, und auch jene Persönlichkeiten wissen wahrscheinlich viel weniger, als sie vorgeben. Es bleibt uns nur übrig, die Ereignisse so hinzunehmen, wie sie auftreten, und nicht völlig die Hoffnung aufzugeben, dass wir sie überstehen werden, ohne vollständig niederzubrechen.
Nach Berlin bin ich bisher nicht gekommen. Sollte ich es aber nicht vermeiden können, mit einer der dortigen Stellen persönlich zu verhandeln, so werde ich versuchen, auch Dein Haus einmal zu erreichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dein (Drucker)