dr. jur. Hubert Lang

Martin Drucker – Das Ideal eines Rechtsanwalts

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Dr. Dittenberger
Kitzingen, den 9. März 1946
Wörthstrasse 80 II.

Herrn
Justizrat Dr. D r u c k e r
Leipzig, S 3.
Brandvorwerkstrasse 80 II.

Sehr geehrter Herr Kollege!

Besten Dank für Ihre freundlichen Briefe vom 9. und 18. vor. Mts., die gleichzeitig hier eintrafen.
Die Angelegenheit Rotzsch hat sich in der Tat vorläufig erledigt, da R. die Mietzahlungen wiederaufgenommen hat.
Die Nachricht, dass auch Ihr Heinrich dem wahnwitzigen nationalsozialistischen Verbrechen zum Opfer gefallen ist, hat meine Frau und mich tief erschüttert. Es ist wirklich zu viel des Leides, dass Ihnen auferlegt worden ist und ich will bisweilen, wenn ich mein Schicksal mit dem mancher Freunde, wie dem Ihrigen vergleiche, ein gewisses Grauen vor der Götter Neide überkommen, Es ist wie ein Wunder, dass wir vor dem Schlimmsten bewahrt geblieben sind. Mein ältester Schwiegersohn lag 1944 Monate lang mit einer rätselhaften Infektionskrankheit im Lazarett, schwebte lange Zeit zwischen Leben und Tod und stand in der Gefahr, zu erblinden. Mein zweiter Schwiegersohn wurde in der den Russlandfeldzug eröffnenden Panzerschlacht, der dritte im Jahre 1944 an der Ostfront verwundet. Alle drei sind völlig wiederhergestellt. Meine Frau und ich entgingen bei dem vernichtenden Angriff auf Freiburg i.B. am 27.11.44 ganz knapp dem Tode; wir waren nicht beisammen und mussten einige Tage lang ein jeder vom anderen überzeugt sein, dass er ein Opfer des Angriffes geworden sei. In Würzburg waren wir zweimal in unmittelbarster Gefahr; meine Frau wurde verletzt, ist aber gleichfalls wiederhergestellt.
Hitler pflegte, wenn ein Unheil an ihm vorüberging, in seiner Hybris von einem „Walten der Vorsehung“ zu sprechen. Ich sehe darin, dass es den einen trifft und den anderen verschont, eine Sinnlosigkeit, die ich nicht zu ergründen vermag.
Es muss ein kleiner Trost für Sie sein, dass Sie sich an den Enkelkindern erfreuen können und überdies Ihre Töchter bei sich haben. Sind Ihre Enkel auch in Leipzig? Ich habe ja das grosse Glück, zwei meiner Töchter und vier meiner Enkel ganz in der Nähe zu haben, sodass ich sie häufig sehen kann.
Dies war auch ein Grund für mich, den hiesigen Richterposten zu übernehmen. Ich hätte lieber meine Praxis in Berlin wieder aufgenommen. Inzwischen habe ich allerdings von dort Nachrichten, die mir die Lust zur Rückkehr genommen haben. Einer meiner Richter, der früher auch Anwalt in Berlin war, hat dieses kürzlich besucht und hat mir über die ausserordentlichen Schwierigkeiten des Lebens dort berichtet.
Die Grundsätze der „Entnazifizierung“ sind hier wohl im wesentlichen dieselben, wie bei Ihnen. Nachdem man anfänglich etwas weitherziger gewesen war, legt man jetzt den strengsten Massstab an. Eine ganze Anzahl von Richtern, Justizbeamten, Rechtsanwälten usw., die ganz gering belastet und deshalb wieder angestellt oder zugelassen waren, sind wieder hinausgetan worden, sehr zum Nachteil der Rechtspflege, die mühsam vegetiert. Wegen des Richtermangels hat man hier sogar Amtsgerichte, die feierlich eröffnet worden waren, wieder schliessen müssen. Ich weiss im Augenblicke nicht, ob ich Ihnen nicht schon davon berichtete, dass auch mein Amtsgericht Kitzingen dadurch in eine recht schwierige Lage geraten ist. Hier waren früher acht Justizinspektoren und Obersekretäre. Bei der Wiedereröffnung des Gerichts im September vor J. erhielt ich mit Müh‘ und Not drei Inspektoren, mit denen der Betrieb allenfalls hätte durchgeführt werden können. Nun hat man mir zwei von diesen Inspektoren wieder genommen, weil sie belastet erscheinen, und nun soll die Arbeit mit einem einzigen Beamten und fünfzehn Anwärtern und ungeschulten Kräften geschafft werden; ein Ding der Unmöglichkeit. In diesen Tagen ist nun ein neues Entnazifizierungs- und Entmilitarisierungsgesetz für die amerikanische Besatzungszone verkündet worden. Es hat den Vorzug, dass es die Entscheidung in die Hand der deutschen Behörden legt, enthält aber im übrigen nicht die allgemein erwartete Milderung, sondern eher eine Verschärfung der Vorschriften. Wie man unter diesen Umständen die nötigen Kräfte für den Wiederaufbau gewinnen will, weiss ich nicht.
Auch mir erscheint die Wiedererweckung des DAV als eine recht schwierige Aufgabe. Eine wichtige Voraussetzung ist doch wohl die Gleichrichtung der verschiedenen Besatzungszonen, die ja von den Amerikanern und Engländern angestrebt, aber vorläufig von den Russen verhindert wird. Dass bei den hiesigen, d. h. mainfränkischen Kollegen vorläufig kein Interesse für die Sache besteht, habe ich Ihnen wohl schon geschrieben. – Dass der Deutsche Rechtsverlag Anspruch auf die JW erhebt, ist grotesk. Es wird wohl nicht schwer sein, dies zurückzuweisen.
Meine Frau dankt Ihnen recht herzlich für Ihre freundlichen Grüsse, die sie aufs Wärmste erwidert. Ich hoffe nicht nur, dass wir in Mitteilungsaustausch bleiben, sondern auch, dass uns ein Wiedersehen beschieden sein wird.

Mit kollegialen Grüssen verbleibe ich
Ihr getreuer und in Dankbarkeit
ergebener
Dittenberger