dr. jur. Hubert Lang

Nachlass Martin Drucker, Briefe und Fotos

Rechtsanwalt Ewald Köst
Dresden-W.H.
Dresden, den 19. Juli 1946

Herrn
Rechtsanwalt Justizrat Dr. Drucker
L e i p z i g

Hochverehrter Herr Justizrat!

Ich danke Ihnen aufs herzlichste für Ihren Brief vom 30. Juni 1946. Leider war ja das, was Sie mir über das Schicksal Ihrer Familie mitteilten sehr traurig. Sie kennen ja meine Anhänglichkeit an Sie und meine Verehrung und Zuneigung zu Ihnen hoffentlich so genau, dass Sie mir glauben, wie schmerzlich mir diese Mitteilungen gewesen sind. Cur rapiant mala fata bonos? Ihre Töchter werden ja wenigstens durch doppelte Liebe Ihnen die schwere Lücke ertragen helfen können, die verbrecherischer Wahnsinn in Ihre Familie gerissen hat.
Ich hoffe sehr, am kommenden Dienstag bei einer Durchreise durch Leipzig Sie gegen 11 Uhr im Büro mit meiner Frau besuchen zu können. Deshalb heute nur das wesentlich in Kürze: Professor (Erwin) Jacobi schrieb mir, dass meine Fächer in Leipzig besetzt seien. Durch den Tod von Professor Alfred Schultze hat sich das zwar zweifellos geändert, aber die Fakultät (in Ihrer Besetzung übrigens recht reaktionär) scheint zur Vergebung von Lehraufträgen überhaupt keine Lust zu haben. Da soll sie es eben bleiben lassen. Dagegen bin ich im höchsten Masse nach wie vor an einer Tätigkeit, an der hoffentlich wieder auflebenden J.W. interessiert. Möge es nur gelingen, diese einzigartige Zeitschrift wieder ins Leben zu rufen. Wegen eines dann infrage kommenden Zuzugs nach Leipzig habe ich keine Bedenken. Mein Vater (SP/OLG Dresden, Dr. Fritz Köst, * 1878 Leipzig) würde dieserhalb, wie ich annehme mit Erfolg, bei Herrn Dr. (Erich) Zeigner intervenieren als dessen „Kreatur“, wie sich die N.S.-Zeitung auszudrücken beliebten, er ja seinerzeit pensioniert wurde.

In alter Treue und Verehrung verbleibe ich als stets
Ihr ergebenster (Köst)