dr. jur. Hubert Lang

Juden in Leipzig

Viktor Armhaus – diverse Dokumente

Im Nachlass von Victor Armhaus sind diverse Briefe und Dokumente überliefert, die sich keinen gesonderten Thema zuordnen lassen, aber trotzdem von historischem Interesse sind. Diese Dokumente werden deshalb an dieser Stelle zusammengefasst vorgestellt.

Victor Armhaus an Adolf Deißmann am 09.02.1915

Quelle: Zentral- und Landesbibliothek Berliin

Verehrter Herr Geheimrat,
Seid Wochen bemühe ich mich die Quelle des Spruches „Ex oriente lux“ zu erfahren.
In Leipzig weiss es aber niemand. In meiner Not wende ich mich an Sie, verehrter Herr Geheimrat, und bitte ganz ergebenst um gütige Auskunft, wenn Sie dazu imstande sind, was ich trotz meiner Verzweiflung erhoffe.
Mit der Bitte um Verzeihung, wenn ich, unbekannt, mich an Sie wende u. mit allerherzlichstem Dank im Voraus, verbleibe ich
In Verehrung Ihr Victor Armhaus

Polizeiamt der Stadt Leipzig

Registrande D.R. 663                   Herrn Viktor Armhaus Hier, Emilienstraße 18
Leipzig, den 12. Juli 1916
Sie haben unserer Politischen Abteilung wiederholt durch Übersetzung fremdsprachiger Schriftstücke wertvolle Dienste geleistet, ohne darüber eine Kostenrechnung einzureichen. Wir nehmen Gelegenheit, Ihnen für die dem Polizeiamte erwiesene große Gefälligkeit verbindlichst zu danken und Sie zu bitten, den mitfolgenden Betrag von 50 M anzunehmen.
Das Polizeiamt der Stadt Leipzig   gez. Wagler, Polizeidirektor
Hierzu: 50 M

Maximilian Schwedler

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Sehr verehrter Herr Armhaus!
Mit Ihrem Carmen haben Sie mich hoch erfreut und beglückt. Sie ahnen nicht, welchen Einfluß Ihre – in so sinniger Form – an mich gerichteten Zeilen auf mein Gemüt ausgeübt haben.
Ich bin von Natur nicht pessimistisch veranlagt. Die entsetzliche Zeit seit 1914 aber, die schweren Sorgen um Sohn und Schwiegersohn während der Schlachttage, der Verlust vieler alter Freunde – die zum Teil an schlechter Ernährung zu Grunde gehen mußten – die immer noch fortschreitende, fürchterliche Zerrüttung unseres Volkskörpers, haben aus mir, einen innerlich oft recht unglücklichen Menschen gemacht.
Da, – in dem redlichen Helfen die Erinnerung an einen grossen Meister der Tonkunst aufzufrischen, empfange ich die wohlwollende Anerkennung eines feinen musikalischen Publikums, obendrein aber den schriftlichen Ausdruck herzlichen Dankes eines lieben Freundes und Gönners. Nicht nur freundliche
Worte sind es die Sie mir zollen – ich fühle es – es ist der Ausdruck einer wirklich aufrichtigen Anerkennung gemischt mit einem warmen Tröpfchen Herzblut.
Das hat mich tüchtig zurecht geschüttelt!
Es gilt mir als Beweis, daß immer noch in weiteren Kreise liebevolle Menschen vorhanden sind und daß es unrecht ist, sich in den gegenseitigen Glauben zu verrennen.
Vielen innigen Dank! Ich wünsche dazu, daß ich recht bald mit Ihnen zusammentreffe – ich muß Ihnen noch mancherlei mündlich sagen.
In herzlicher Dankbarkeit   Ihr ergebener Maximilian Schwedler
Leipzig 23.6.24

Richard Kockel

Leipzig, den 10. Oktober 28.
Mein lieber Herr Armhaus!
Nehmen Sie meinen herzlichsten Dank für die Übersetzung des Briefes aus Carrara. Es ist wirklich überaus liebenswürdig von Ihnen, dass Sie sich in so selbstloser Weise für mich bemüht haben! Und dazu schenken Sie mir noch ein kostbares Buch aus Ihrer Sammlung.Sie beschämen mich wirklich. Seien Sie versichert, dass ich das neue Buch, ebenso wie die, die Sie mir früher schon geschenkt haben, in hohen Ehren halten werde.
Mit vielen herzlichen Grüßen bin ich Ihr dankbar ergebener  gez. Kockel

Lieber Herr Fritz,

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Erloschen sind wir! Dennoch klingts fast heit(er)
Fortwursteln kann man wie bisher auch weiter,
Denn mit der Zeit wird man blasier und träge
Und hält den Rücken hin für Schicksalsschläge
Man lacht sogar und nicht begehrt man auf
Und denkt sich still: s’ist so der Dinge Lauf!
Ein Glückskind ist, wenn er zu dieser Stund‘
Darf leben (aber wie!?) von der Hand zum Mund,
Denn viele gibt’s, die von der drübigten Seite,
Die sind entweder fort oder tot oder pleite.
Sie aber mögen bleiben stets bewahrt
Vor jedem Ungemach obbemeldeter Art.

Anmerkung: Bei diesem Zettelchen handelt es sich um einen maschinenschriftlichen Durchschlag mit der handschriftlichen Ergänzung des Datums: 3/10 38. Es bleibt deshalb unklar, ob dieses mutige und gefährliche Gedicht Victor Armhaus selbst verfasste oder ihm von dritter Seite zugesteckt wurde.

Sprichwörter aus vielen Ländern von Hans Ermann

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Anmerkung: Die Tatsache, dass Victor Armhaus diesen Zeitungsausschnitt aufbewahrt hat, deutet evtl. darauf hin, dass er Hans Ermann bei der Übertragung dieser Sprichwörter ins Deutsche behilflich war.