dr. jur. Hubert Lang

Martin Drucker – Das Ideal eines Rechtsanwalts

Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit. Aenean commodo ligula eget dolor. Aenean massa. Cum sociis natoque penatibus et magnis dis parturient montes, nascetur ridiculus mus. Donec quam felis, ultricies nec, pellentesque eu, pretium quis, sem. Nulla consequat massa quis enim. Donec pede justo, fringilla vel, aliquet nec, vulputate eget, arcu.

In enim justo, rhoncus ut, imperdiet a, venenatis vitae, justo. Nullam dictum felis eu pede mollis pretium. Integer tincidunt. Cras dapibus. Vivamus elementum semper nisi. Aenean vulputate eleifend tellus. Aenean leo ligula, porttitor eu, consequat vitae, eleifend ac, enim. Aliquam lorem ante, dapibus in, viverra quis, feugiat a, tellus.

Phasellus viverra nulla ut metus varius laoreet. Quisque rutrum. Aenean imperdiet. Etiam ultricies nisi vel augue. Curabitur ullamcorper ultricies nisi. Nam eget dui. Etiam rhoncus. Maecenas tempus, tellus eget condimentum rhoncus, sem quam semper libero, sit amet adipiscing sem neque sed ipsum. Nam quam nunc, blandit vel, luctus pulvinar, hendrerit id, lorem. Maecenas nec odio et ante tincidunt tempus. Donec vitae sapien ut libero venenatis faucibus. Nullam quis ante. Etiam sit amet orci eget eros faucibus tincidunt. Duis leo. Sed fringilla mauris sit amet nibh. Donec sodales sagittis magna. Sed consequat, leo eget bibendum sodales, augue velit cursus nunc,

30. Juni 1946.

Lieber Herr Kollege Köst!

Auf Ihren freundlichen Brief vom 25. Mai dieses Jahres hätte ich gern längst geantwortet. Ich war aber seit Anfang Mai an Lungen- und Rippenfellentzündung erkrankt und bin erst jetzt wieder in der Lage, in geringem Umfange mich wenigstens im Wege des Diktats zu äussern.
Ich habe mich sehr gefreut, ausführlicher von Ihnen zu hören, als mir das bei gelegentlichen Umfragen nach Ihnen und Ihren Schicksalen gelungen war. Schon damals, als Sie gewissermassen verschwanden, konnte man in Dresden kaum etwas über Sie erfahren, erst Ihr Brief klärte mich darüber auf, dass Sie so lange Zeit von der Gestapo in Haft gehalten worden sind. Auch über Ihre späteren Schicksale wusste ich nichts. Mit Freude ersehe ich nun aus Ihrem Brief, dass Sie wieder geheiratet haben und Vater einer nun schon im zweiten Lebensjahre stehenden Tochter geworden sind. Nehmen Sie meine herzlichsten Glückwünsche entgegen.
Wenn Ihnen Ihr Herr Vater, den ich aufs herzlichste zu grüssen bitte, mitgeteilt hat, dass ich das tausendjährige dritte Reich gut überstanden hätte, so kann er nur an das Ende dieses Spuks gedacht haben, das, was vorher gegangen ist, war für mich überaus bitter. Meine beiden Söhne sind gefallen, Peter schon im Juli 1942 bei dem fluchwürdigen Abenteuer in Aegypten, Heinrich Ende Januar 1945 in Schlesien, als seine Einheit sich allzu langsam von den nachdrängenden Russen abzulösen versuchte. Ausserdem bin ich mit Büro und Wohnung viermal ausgebombt und wohne jetzt in einer zwar guten, aber fast ausschliesslich mit zusammengeborgten Möbeln eingerichteten Wohnung. Ausser meiner Schwiegertochter mit ihren beiden kleinen Jungen sind auch meine beiden Töchter bei mir. Ina kam im Dezember aus russischer Gefangenschaft in Westpreussen, in die sie Anfang des Jahres in Schlawe in Pommern als Aerztin im dortigen Krankenhaus verfallen war, zurück und ist jetzt am Kinderkrankenhaus hier tätig; Renate, der es gerade noch gelungen war, am Tage des Einmarschs der Amerikaner und Franzosen in Strassburg ihr Doktorexamen zu vollenden, hat jetzt hier an der Universität einen Lehrauftrag für geschichtliche Hilfswissenschaften, genauer für Mittellatein, ist ausserdem journalistisch tätig und viel beschäftigte Sekretärin des Anwaltsausschusses. Nachdem wir im Februar vorigen Jahres durch vollständige Zerstörung unseres Wohnhauses obdachlos geworden waren und uns dann einige Zeit bei Bekannten hier aufgehalten hatten, zog ich im März vorigen Jahres es vor, mich der unmittelbar drohenden Einlieferung in ein Konzentrationslager dadurch zu entziehen, dass ich mit der Familie in Jena untertauchte. Von dort wurde ich nach dem Einmarsch der Amerikaner nach Leipzig zurückgeholt und übe nun wieder mit Eckstein die Praxis aus, und zwar im Europahaus am jetzigen Karl-Marx-Platz (früher Augustusplatz). Wir sind wie die meisten Anwälte ganz ausserordentlich stark beschäftigt.
Dass Sie die Neigung verspüren, nach Leipzig überzusiedeln, begreife ich durchaus. Ob sich diese Absicht aber verwirklichen lässt, erscheint mir doch als recht zweifelhaft. Die Zuzugssperre hier ist sehr streng, und an ihre Aufhebung ist bis auf weiteres, wie noch in den letzten Tagen durch die Zeitung bekannt gemacht  worden ist, nicht zu denken. Allerdings glaube ich, dass der Zuzug sich erreichen liesse, wenn Sie an der Universität mindestens einen Lehrauftrag erhielten. Aber auch in dieser Hinsicht  bestehen beträchtliche Schwierigkeiten. In der Fakultät scheint nämlich, wie ich nur streng vertraulich Ihnen mitteilen kann, ein starker Widerstand gegen die Erteilung von Lehraufträgen an Praktiker zu bestehen. Ich weiss ganz zuverlässig, dass in der Landesverwaltung die Erteilung einiger Lehraufträge für ganz bestimmte Disziplinen an bestimmte praktische Juristen beschlossen war, dass aber die Durchführung dieses Beschlusses an der Gegnerschaft der Fakultät, oder vielleicht auch der ganzen Universität, gescheitert ist. Die Fakultät ist ja noch ganz klein. Ordinarien sind nur (Hans Otto) de Boor, (Erwin) Jacobi und (Arthur Philipp) Nikisch, und neuerdings soll ein Kriminalist berufen sein. Ausserdem liest der Generalstaatsanwalt (John Ulrich) Schroeder über irgendwelche kriminalistischen Themen; Näheres ist mir nicht bekannt. Was ich unternehmen kann, ist eine vorsichtige und unverbindliche Rücksprache mit Jacobi, mit dem ich häufiger in Berührung bin. Ich werde Ihnen dann wieder Nachricht geben. Ueber Ihre literarische Tätigkeit bin ich im grossen und ganzen unterrichtet. Ihre Bücher, soweit ich sie besass, sind leider im Dezember 1943 mit meiner ganzen Bibliothek verbrannt. Besonders gern erinnere ich mich an die glänzenden Ausführungen über die Urteilsberichtigung, die Ihnen damals vom Oberlandesgericht schwer verdacht worden sind. Aber ich weiss noch mehr: Sie haben einen Kommentar zum neuen Ehegesetz entweder schon vollendet oder noch unter der Feder. Ich erlaube mir, Ihnen den freundschaftlichen Rat zu geben, auf schleunigstes Erscheinen dieses Buches hinzuwirken. Mir ist nämlich bekannt, dass ein sehr grosser und angesehener süddeutscher Verlag die Absicht hat, durch einen Rechtsanwalt einen derartigen Kommentar schnellstens schreiben zu lassen. Dem muss zuvorgekommen werden. Was nun endlich die Juristische Wochenschrift angeht, so sind die Aussichten, sie wieder herauszubringen, sehr ungünstig, obwohl Herr Goldstein von Möser, der sie bekanntlich jahrzehntelang betreut hat, in Gemeinschaft mit mir und anderen alles versucht, um diese unersetzliche Zeitschrift wieder auf die Beine zu bringen. Sollte uns das gelingen, so werde ich dafür sorgen können, dass Ihnen mindestens die Mitarbeit in der Redaktion gesichert wird, wenn nicht vielleicht die Uebernahme der Leitung in Betracht kommt.
Ich denke also, Ihnen demnächst wegen der Stellung der Fakultät zu einem Lehrauftrag schreiben zu können.
Mit der Bitte, Ihrer Frau Gemahlin mich einstweilen noch unbekannterweise ergebenst empfehlen zu wollen, bleibe ich mit herzlichen Grüssen

Ihr (Drucker)