dr. jur. Hubert Lang

Martin Drucker – Das Ideal eines Rechtsanwalts

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Dr. Werner Hartmann
Leipzig O 27
Störmthaler Str. 9
Leipzig, den 1. Juni 1946

Sehr verehrter Herr Justizrat!

Ich bitte Sie, diese Epistel zu Ende zu lesen, unbeschadet Ihrer beruflichen, ehrenamtlichen Überlastung. Sie handelt zum allerwenigsten von der brennenden, ihrem Wesen nach uninteressanten Frage der Zulassung
Ich gewöhne mir mit Prentice Mulford und Ralph Trine an, „ziehenden Gemütes“ zu warten und den Sinn der Führung meines Lebens erst später zu erkennen. (Friedrich) T h i e r s c h, mit dem ich befreundet bin und den ich schätze, sagte mir einmal, er sei in seinem Leben immer geführt worden und hätte es freilich oft erst hinterher erkannt. Lediglich, dass das Wort „Führung“ durch den unseligen Hitler einen Beigeschmack bekommen hat.
Meinem obigen Versprechen gemäss nur zwei Sätze über die Zulassungsfrage in Parenthese:
a) mein Glaube an die Gerechtigkeit namentlich innerhalb der an der Rechtspflege Beteiligten soll nicht erschüttert werden, darum geht es mir;
b) ich möchte gern anderen pekuniär helfen können – Geben ist ja bekanntlich göttlich, Empfangen menschlich , meinen beiden Kindern und nicht zugelassenen Kollegen, die Not leiden, Sachen verkaufen müssen, nachdem ich mit Befremden festgestellt habe,  dass der bisher befreundete „Amtsbruder“ seelenruhig diesen Freund seine Einrichtung veräussern lässt, während er, der vielleicht überzeugungsmässige oder geschäftlich berechnende, durch Logenzugehörigkeit „verhinderte Nazi“, Tausende im Monat verdient, die er dann bei hoffentlich unverschleierter Buchführung zum weitaus grössten Teile wieder als Einkommenssteuer entrichtet.
Damit sei die Problematik dieses Zeitgeschehens endgültig abgetan!
Ich selbst bin – trotz meiner gegenwärtigen Depressionslage – positiv zum Leben eingestellt, bemühe mich, zwischen steinigem Geröll allerlei köstliche Blumen zu entdecken, und gewöhne mir an, nach unten zu sehen. Es geht ja so vielen unschuldigen Menschen schlechter als mir. Nur so kommt man meines Erachtens zum Bewusstsein seines Glückes und zur Verpflichtung gegenseitiger Hilfe. Schliesslich ist ja die finanzielle Seite nur Beiwerk des Lebens.
Ich schreiben an einem harmlosen, aber gutgemeinten Bekenntnis zu meinem Berufe, ich, den man beruflich bisher nicht haben will. Ich ersann für dieses „Privatissimum zwischen Anwalt und Klientel“ den Titel „Mit meinen Augen“ und entdeckte erst nachträglich, dass er ein Plagiat ist, da ein schöngeistiges Buch mit diesem Titel bereits existiert. Ich stellte an die Spitze die Erkenntnis, dass es zwei Berufe gäbe, die dazu prädestiniert sind, anderen – körperlich, psychisch – zu helfen, den des Arztes und derjenigen des Anwalts. Sollte auch der Anwalt seinen Beruf nicht so ideal auffassen? Ich bin überzeugt, dass dieses Berufsethos Ihren eigenen Intentionen absolut entspricht. Doch auch diese immerhin primitive Erkenntnis ist nicht der Zweck des Briefes, ebensowenig meine Bitte, Ihnen nach Fertigstellung dieses Buches widmen zu dürfen, wenn das Niveau es zulässt.
Etwas gänzlich anderes: Ich empfinde das Bedürfnis, Ihnen zu sagen, ganz offen als Mensch zu Mensch, dass ich Sie seit Jahrzehnten persönlich und beruflich enorm, wirklich und wahrhaftig enorm, schätze und verehre. Es ist keine Phrase. Ich bin durchaus nicht in der Stimmung, Phrasen auszusprechen. Sie kennen mich wenig, ich kenne Sie genauer, als Sie es sicherlich für möglich halten. Bereits seit meiner Referendarzeit – ich wusste von Ihnen nur Vom Hörensagen – waren Sie mir  d e r   Anwalt,  d e r   Vertreter meines späteren Berufes, an dem ich hänge, dessen Unzulänglichkeit mich oft quälte. Eine „ungerechte“ Entscheidung bedeutete mir oft eine schlaflose Nacht. Ich las jede Ihrer Reden und Glossierungen in Anwaltsvorstandssitzungen und hatte meine helle Freude an Ihrer geschliffenen Dialektik und ciceronianischen Rhetorik, Ihrer unübertrefflichen Schlagfertigkeit und Ihrer sachlich fundierten Überlegenheit in einem so erlauchten Gremium. So wurden Sie allmählich für mich – ich übertreibe nicht – eine  l e g e n d ä r e   Persönlichkeit. Wenn ich eingangs schrieb, dass ich jeder Situation des Lebens etwas Positives zu entnehmen trachte, nun, positiv ist die mich beglückende Vorstellung, dass ich gerade jetzt die Gelegenheit fand, Sie auch persönlich noch näher kennenzulernen. Es erfüllt mich eine tiefe und aufrichtige Freude darüber. Und das Ergebnis: Sie imponieren mir restlos. Sie haben in Ihrem reichen Leben – trotz mancher Schmerzen – so viele Anerkennungen von allen Seiten erfahren, dass es Sie vielleicht nicht einmal innerlich anrührt, wenn ich es Ihnen offen bekenne. Doch soll mich das nicht irgendwie beeinträchtigen. Ich hatte es ja auch bislang für mich behalten. Ich litt mit Ihnen, so weit ein Dritter es vermag, unter der Ihnen zuteilgewordenen Diffamierung durch (Johannes Fr(ritzsche). Er ist tot, er ist sogar als „Antifaschist“ anerkannt worden. Mein Urteil ist dadurch nicht beeinflussbar. Als Sie mir damals erzählten, dass er Sie aufsuchte, um Ihnen zu sagen, er hätte unter Zwang gestanden – ich entsinne mich des Gespräches genau – nun, da schämte ich mich für diesen „Ehrengerichtsvorsitzenden“. Ich ertrug fortan mit einer gewissen Leichtigkeit, dass er mir wegen meiner konsequenten Einstellung gegen ihn manche berufliche Hemmung entgegensetze und erreichte, dass wegen politischer Unzuverlässigkeit meine Ernennung zum Notar abgelehnt wurde, während  v o r  der Aera Fr. – Zeuge Justizrat Dr. Wünschmann, der mich genau kennt – die Anwaltskammer in keinem einzigen Falle meine Berufsausübung zu beanstanden hatte und erfahrungsgemäss ein ernsthafter Anwalt m. E., je länger er im Berufsleben steht, um so einwandfreier funktionieren wird.
Ich hörte von Ihrer nicht unbedenklichen Erkrankung und freue mich, dass Sie auf dem Wege der Gesundung sind. Möchte Ihnen bald die völlige Genesung beschieden sein, damit Ihre begnadete Kraft möglichst noch Jahrzehnte sich schützend und leitend im Kampf um das Recht vor die Deutsche Anwaltschaft stellt, die kein höheres Ziel kennen wird, als Sie um die Präsidentschaft für ihre dereinstige Gesamtorganisation zu bitten – womöglich oder sogar mutmasslich gegen Ihren Willen!
Mit verbindlichem Gruss und besten Wünschen für Sie bin ich Ihr
Ihnen stets ergebenster (Hartmann)