

Als Hans Bachwitz erst 45jährig auf offener Straße während eines Arbeitsbesuches in Berlin starb, bedeutete das für seine Witwe Flora zuerst sicher Schmerz und Trauer. Doch für ihr Weiterleben hieß das vor allem eine weitere Verschärfung ihrer existenziellen Lage. Der Nachlass ihres Mannes war überschuldet. Das beträchtliche Vermögen, welches sie in die Ehe eingebracht hatte, war längst verbraucht.
Das ist für einen so erfolgreichen Autor, der auf fast allen Bühnen des Landes und auch des Auslands gespielt wurde, sehr erstaunlich. Doch Bachwitz ist nicht der einzige Künstler in der Geschichte, der trotz künstlerischen Erfolges völlig verarmt starb.
Dieser Situation war sicher geschuldet, dass Hans Bachwitz kein eigenes Grab erhielt, denn das wäre mit erheblichem Kosten verbunden gewesen. Seine vermögenden Schwiegereltern Littauer waren einstmals von Lodz nach Leipzig umgezogen, um ihren Lebensabend in der Nähe ihrer Tochter zu verbringen. Zum Zeichen der Endgültigkeit dieses Umzuges erwarben sie auf dem Alten Jüdischen Friedhof eine Wandgrabstelle als Familiengrab.
Doch diese Pläne erfüllten sich nicht. Dora Littauer, die erst 60jährig 1908 starb, wurde hier beigesetzt. Der Schwiegervater Hilary Littauer ging nach diesem Verlust zurück nach Lodz, wo er vier Jahre später starb und auch beerdigt wurde.
Für Dora Littauer und Hans Bachwitz wurden auf dem Familiengrab zwei kleine Grabsteine gesetzt. Da diese auf keinem Sockel mit Fundament standen, waren sie fast völlig in der Erde versunken. Insofern spiegelte der Grabstein von Hans Bachwitz symbolhaft die Tatsache wider, dass auch sein Werk seit dem Verbot durch die Nationalsozialisten 1933 fast völlig in Vergessenheit geraten war. Die Wandfläche der Grabstätte wurde zerstört und später provisorisch verputzt. Es ist nicht bekannt, wie die Wandfläche ursprünglich gestaltet war. Es ist anzunehmen, dass dort zumindest der Schriftzug Littauer stand, um das Grab deutlich als Familiengrabstätte der Familie Littauer zu kennzeichnen.
Dieser Zustand war unwürdig und sollte deshalb geändert werden.
Geplant war die Restaurierung der beiden vorhandenen Grabsteine und ihre Neuaufstellung auf einem Fundament mit Sockeln. An der Wandfläche selbst sollte nichts geändert werden. Es wird darauf vertraut, dass der unansehnliche Verputz irgendwann vom Efeu überdeckt wird.
Um auf die besonderen Leistungen von Hans Bachwitz hinzuweisen, wurde eine gesonderte Gedenktafel geplant, die an der Wand angebracht werden soll. Der Text auf dieser Tafel musste kurz, aber aussagekräftig sein. So entstand die Idee, das im Titel genannte Zitat zu verwenden.
In dem Familiengrab wurde ausweislich der Friedhofsbücher 1928 auch die Mutter von Hans Bachwitz beigesetzt, obwohl sie sich von ihrem Sohn losgesagt haben soll, weil er den Familiennamen von Bauchwitz in Bachwitz geändert hatte. Für sie gibt es nicht einmal einen Grabstein, was wohl auch auf die finanzielle Notlage von Flora Bachwitz, als einzige noch lebende Verwandte zurückzuführen ist.
Die Umgestaltung des Familiengrabes sollte deshalb auch genutzt werden, um Auguste Bauchwitz auf einer Grabtafel zu benennen. Die Tafel wird ergänzt durch ein ehrendes Gedenken an Flora Bachwitz, die 1938 nach Lodz zurückkehrte und dort verschollen ist. Es ist davon auszugehen, dass sie Opfer der Shoa wurde.
Das gewählte Zitat wird bei Friedhofsbesuchern vielleicht Irritationen und Verwunderung auslösen. Das wäre durchaus im Sinne der Neugestaltung des Familiengrabes Littauer/Bachwitz, wenn es im weiteren zum Nachdenken über diese Aussage und für Interesse am Leben und Schaffen von Hans Bachwitz sorgt.






