dr. jur. Hubert Lang

Buch: Kurt Hezel

I.
Hekate

Umstrickt von Dunkeln Rosenhecken,
Seh‘ ich in Krampf und sucht dich strecken
Der weißen Glieder süßen Schnee,
Wenn Abendsonne feuertrunken
Um Dich mit zitternd goldnen Funken
Wildwerbend spielt, o Hekate!

Sieh‘: brünstiger denn alle Sonnen
Blüht Dir zu reinsten Opferwonnen
Das Sonnenblut aus meinem Leib:
Umklammre mich mit weißen Händen
Mein rotes Blut will ich  hinschwenden
In Dich, Du zauberbleiches Weib!

Schlage in der Krallen Schärfe,
Daß jäh‘ aus mir empor sich werfe
Der Liebesströme …flut,
Füll‘ Deine Seele hoch zu Randen
Mit Flammen, die von mir entbrannten,
Mit meiner Adern Wundergut!

Denn saug‘ aus meinen letzten Gründen
Mein letztes Blut und mach‘ es münden
In Deiner Seele Sehnensnacht:
Ich winke bleich, doch Du erblütest
Und sterbend, wenn Du ganz erglühtest
Hauch ich: Das Wunder ist vollbracht!

II.
Vampyrin

Der Sonne fieberrotes Auge leuchtet
In Sterbeglut am braunen Bergesrand
Schon schläft die Luft, die schlanken Halmen feuchtet
Ein weicher Tau gleich süßem Thränenbrand …

Nun bricht die Nacht an. Sehnens Gifte fließen,
Mach‘ Deine Augen gieren, Vampyrin:
Du zärtlich Blasse sollst mich fest umschließen
Und Deinem Lechzen wird ich Vollgewinn!

– Es strömt mein Blut … Du Bleiche willst erwarmen,
In wilden Schauern schwillt der Doppelseelen wunder Grund
Die Sonne schwand … Mit schwarzen Riesenarmen
Umfängt die Nacht den süßen Qualenbund!

III.
Schwarze Flaggen

O künde nicht, daß Du von hinnen schreitest
Du meiner Träume sehnsuchtsiechestes Bild,
Daß Du auf schwarzem Schiffe heimwärts gleitest
Und mir in Riesenflooren sich die Welt verhüllt.

Du stündest, nun auf ewig mich umarmend,
Stolz-aufgerichtet an dem düstern Bord,
Und schwarze Flaggen trügen unerbarmend
Mir eine Welt der letzten Zauber fort!

Hoch Dir zu Häupten strahlten Aureolen,
Die Sonne sänke wahnkrank in die See.
Dich Scheidende im Schmerzgruß einzuholen
Entfachte sich der Berge Abendpurpurweh!

Ich aber müßte schluchzend meine Augen decken,
Indes die Welle krank am Strand zu mir zerschellt.
Ich müßte glühend in den Sand mich niederstrecken
Und wehvoll rufen: Nun verstumme, Welt!

IV.
Charfreitagsnacht

,O Madonne des Hystéries!‘
(Pierrot lunaire)

1.
O daß aus dieser Lenznacht Monderleuchten
Ewig erneut Dein Wunderbild mir quillt
Und von den Augen mir den thränenfeuchten
Die Fluten drängt, die kein Erbarmen stillt!

2.
An meine Seele greift ein süßer Schauer,
Ein irres Flüstern weht mir aus dem Wald,
Leis rauscht das Wehr in tiefverhaltner Trauer,
Auf weichen Sohlen nah’st Du Schmerzgestalt!

3.
In dieser Stille Abenddüstergluten
Zur heilgen Urnacht einst durch Dich erweckt!
O könnt‘ noch einmal ich vor Dir verbluten,
Den keine Wonne mehr noch Wunde schreckt.

4.
O gieb‘ mir wieder Deine Tuberosen
Und Träufl‘ in mich der roten Wunden Pein,
O dürft‘ mit Dir ich noch, der Heimatlosen,
Ein Heimatloser, zwiesam-einsam sein!