dr. jur. Hubert Lang

Juden in Leipzig

Der Regisseur

von Erich Hezel
Dieser Aufsatz erschien in: Melos, Heft 1/1932, S. 5-6

Bei allem Willen zur Voraussetzungslosigkeit würde ein fester Mitarbeiterstab der  Zeitschrift zwangsläufig eine Form geben, die gewisse Grenzen des Gedanken- und Meinungskreises erkennen ließe — darum häufiger Wechsel der Mitarbeiter, entgegengesetzte Meinungen zu Wort kommen lassen, deren Widerstreit geistig-schöpferisch wirken kann. Häufige Diskussionen waren aus diesem Grunde sehr erwünscht. Der entdeckenden Dramaturgie müßte Raum geschaffen werden, die eine wertvolle Ergänzung und Anregung für das Konzert- und Opernwesen bedeuten würde.
Gerade in der gegenwärtigen Zeit allgemeiner Not und lebensbedrohender Gefahren für das deutsche Musikleben muß in der Zeitschrift weiter Raum zur Verfügung stehen, für die zum großen Teil neuartigen volkswirtschaftlichen und sozialen Probleme musikalischer Produktion und Reproduktion. Die daraus resultierenden Hemmungen und Vorschläge zu ihrer Überwindung bedürfen dringender Behandlung.
Das Thema „Werk und Wiedergabe“ müßte in diesem Zusammenhang behandelt werden. Auch grundsätzliche Aufklärungen über Wesen und Verlauf der künstlerischen Wiedergabe dürfte einem weiteren Kreise willkommen sein.
Aus dem Zusammentreffen eines Tiefpunktes künstlerischer Vitalität mit einem Tiefpunkt allgemeiner Wirtschaftsentwicklung ist die beinahe tödliche Krise musikalischen Lebens in Deutschland entstanden. Der Künstler soll die Gründe seines Unglücks in erster Linie in sich selbst suchen. Darum muß die Forderung der Musikkritik nach stärkster Qualität, nach strengster Auslese absolut rücksichtslos sein. Des Kritikers Kampfansage gegenüber jeder Langeweile, gegenüber minderer Ware darf nicht beeinträchtigt werden durch den Glauben, er dürfe dem Schiffbrüchigen nicht den letzten Halt nehmen. Er muß die Pseudopietät, die Einfallslosigkeit verdeckt, brandmarken. Er muß die produktive Revolution der Geister fordern, die nur in der Synthese von vorwärts und zurück liegt. Soll aber diese unbeugsame Strenge der Kritik gerechtfertigt sein, so muß sie auf der andern Seite sich ihrer höchsten Pflicht bewußt sein, positiv zu sein, dem schaffenden und ausübenden Künstler Bewegung zu schenken, Wege zu weisen, Führerin und Entdeckerin zu sein.
Außerdem müßte dem Laien eine planvolle Erziehung zum Hören und zum musikalischen Urteil geboten werden. Es gilt, das Interesse weitester Kreise für die Musik zu stärken, einer gewissen Konzert- und Opernmüdigkeit entgegenzutreten, die Scheu des Publikums vor der modernen Produktion durch Aufzeigen ihres Wesens zu überwinden.
Soll die Zeitschrift in unserer Zeit Daseinsberechtigung haben, so muß sie sichder  schweren Aufgabe gewachsen zeigen, den Kampf mit der rasch fortschreitenden Bequemlichkeit und Interesselosigkeit erfolgreich durchzufuhren. Die Art der Mitteilung müßte voraussetzungslos und leicht verständlich sein.