dr. jur. Hubert Lang

Hans Bachwitz

Königliches Gärtnertheater München
Norddeutsche allgemeine Zeitung vom 01.03.1914, S. 8

aß. Aus München wird uns geschrieben: Das Königliche Gärtnertheater hat schon wieder eine Uraufführung gehabt. „Der kleine Salon von Karl Petzl, Text von Fritz Karl und Dr. Hans Hall. Diesmal ist die Musik wesentlich besser als das Buch, das abgebrauchte Motive in neue Form zu bringen sich bemüht. Dabei fließen allerlei aktuellen Witze und komische Situationen ein, denn der eine der Autoren, Fritz Karl (Anmerkung: 1911 war er Oberregisseur für die Operette am städtischen Theater Leipzig), ist ein gewiegter Theatermann. Fürst Egon verschmäht die ihm von der Diplomatie seines verschuldeten Ländchens zugedachte Prinzessin Elisabeth, verliebt sich aber sterblich in sie, als sie in Person einer Hofdame, um ihn auszukundschaften, an seinen Hof kommt. Inkognito gewinnt auch sie ihn lieb und nimmt den Posten einer Vorleserin trotz des von galanten Vorfahren des Fürsten daran haftenden Odiums an. Mit der sehr hübschen Szene ihrer Verlobung beim Tee im kleinen Salon schließt der zweite Akt, der beste und lustigste von dreien. Was noch folgt, schleppt sich nur kraft etlicher Tanzeinlagen hin, von denen der Furlono, der Tanz der Zukunft und Ueberwinder des Tango, an sich ein Erfolg war. Seibold tanzte ihn ganz famos, sekundiert von Fräulein Menari. Als Privatsekretär und Korpsbruder der Fürstin ist er der Rädelsführer der ganzen übrigens recht einfachen Handlung, die ihn selbst mit einer reschen Soubrette zusammenbringt. Gruber sang den Fürsten so schön, als gelte es irgendeinem lyrischen Opernhelden allerersten Ranges. Die Hofbühnen könnten das Gärtnertheater um diesen Sänger beneiden. Frl. von Moosburg hatte den Schick, den ihre Prinzessinnenrolle forderte, und war auch stimmlich erfreulich. Extrabeifall holte sich Löscher als Onkel, dem Arsenpillen Lebensfrische von Fall zu Fall verleihen. Mehrere Nummern gingen melodiös ins Ohr und mußten wiederholt werden. Die Musik besitzt prickelnden Reiz und ist ungeachtet verschiedener Anklänge nicht ohne Orginalität. Für ein Erstlingswerk jedenfalls sehr achtbar. Das Publikum ließ es an Aufmunterung nicht fehlen, und nach dem zweiten Akt und am Schlusse kam einer regelrechter starker Erfolg zustande mit stürmischen Applaus, Lorbeeren und Blumen. Regiseur (Franz Josef) Graselli (1856-1929) und Kapellmeister (Karl) Fürmann wurden mit den Sängern, dem Komponisten und den Autoren oftmals gerufen. Auf Dekorationen und Kostüme war viel Sorgfalt verwendet.

 

Theater am Gärtnerplatz
Erschienen in: Hannoverscher Kurier vom 02.03.1914, S. 2

L. St. Münchner Uraufführung
Im Theater am Gärtnerplatz wurde die Operette „Der kleine Salon“ von Fritz Karl und Hans Hall, Musik von Karl Petzl ein  aufrichtiger starker Erfolg zuteil. Das Textbuch lehnt sich bewußt an Meyer-Försters „Alt-Heidelberg“, dem größten Theatererfolg der letzten Jahrzehnte, an. Es überraschte aber durch eine flüssige, geschickte Szenenführung, in die eine Anzahl amüsanter Episoden eingestreut sind, die die Hand eines erfahrenen Theaterpraktikers verraten (Herr Karl ist Regisseur der Schauburg in Hannover). Der noch jugendliche Komponist verrät ein nicht ungewöhnliches Talent für die leichte Musik und versteht es schon jetzt ausgezeichnet, zu rhythmisieren und lustige musikalische Einfälle anmutig zu instrumentieren. Obwohl er auf plumpe Schlager verzichtet, weiß er doch musikalische Höhepunkte herauszuarbeiten. Die Aufführung unter der Regie Grasellis war sehr sorgfältig und geschmackvoll einstudiert, die Hauptrollen lagen bei den Damen Pia v. Moosburg, Paula Menari und den Herren Gruber, Seibold und Löscher in den besten Händen.